Lottogewinn Mercedes

Wenn ich im Lotto gewinne, dann…

19 04 26 | — Journal — | 0 Kommentare

fahren wir nach Herbrandt!

Früher war der Freitag für mich ein ganz besonderer Tag, und das lag nicht nur am Wochenende. Wenn ich mittags von der Schule kam, gab es Essen bei meinen Großeltern. Oma hat fleißig gekocht und es gab immer mein Lieblingsessen, Pfannkuchen, Wurzelgemüse, Brokkoli mit Mandelblättchen… auf Oma war Verlass! Und mein Opa, der als Maler und Lackierer arbeitete, kam dann meist nur für einen kurzen Sprung von der Baustelle nach Hause, um in der knappen Pause schnell etwas zu essen. Er fragte mich dann immer: Wie war die Schule und wie stehen die Aktien? Die erste Frage ließ ich immer aus – wie findet man die Schule schon? 😉 Bei der Zweiten war es dann anders: Daumen hoch hieß, ich hab noch Geld, ging mein Daumen nach unten, hat er mit ein paar Mark zugesteckt. D-Mark, mein Gott, bin ich alt geworden 😉

Ich hab das immer total toll gefunden. Oma hat immer mein Lieblingsessen gekocht und war warm und lieb. Und Opa hatte immer Zeit für einen kleinen Plausch. Und beim Nachtisch hat er dann ganz konzentriert seine Kreuze auf dem Lottoschein gemacht. Er musste danach sofort wieder los – irgendwo im Viertel tapezieren oder Häuser in Schuss bringen. Er hatte keine Zeit, den Schein selbst wegzubringen, also war das mein Job – und ich fand das toll!

Wir sind unter der Woche nie losgefahren, um Autos zu gucken. Er hat das immer nur gesagt, bevor er wieder zur Tür raus ist: „Wenn ich gewinne, fahren wir nach Herbrandt.“ Und wenn er mich mal von der Schule abgeholt hat, dann sind wir dort eben vorbei gefahren 🙂

Damit meinte er das Autohaus, wo die schicken Mercedes – Modelle standen. Ich war 12 und wusste damals natürlich nicht, was es eigentlich bedeutet, „ausgesorgt“ zu haben oder wie viel Geld man dafür braucht. Für mich war dieser Lottoschein am Küchentisch einfach die Chance, dass er dieses ganz besondere Auto bekommt, das er sich wünscht. Ich wollte einfach nur, dass er gewinnt und glücklich ist. Es gab nur Omas leckeres Essen, Opas Arbeit, meinen Gang zur Lottoannahme um die Ecke und diesen einen Wunsch für ihn.

Opa hat nie gewonnen. Er hat sein Leben lang angepackt. Und irgendwann habe ich für mich begriffen, dass man als „Normalsterbliche“ wohl einen anderen Plan braucht, wenn man nicht 40 Jahre lang nur funktionieren will, bis man mit 65+ endlich mal durchatmen darf.

Diesen Begriff „Finanzielle Freiheit“ kannte ich damals natürlich noch nicht. Heute weiß ich: Es geht eigentlich gar nicht um den dicken Mercedes von Herbrandt. Es geht darum, dass man nicht mehr arbeiten muss, um sein Leben zu finanzieren. Dass man eben nicht wie Opa direkt nach dem Essen wieder loshetzen muss, sondern vielleicht einfach auf der Terrasse sitzen bleiben und in Ruhe seinen Kaffee genießen kann um mit seiner Enkelin zu reden.

Ich investiere jetzt seit acht Jahren. Und ich frage mich: Was wär gewesen wenn ich Opa damals schon gesagt hätte: Wir investieren das Geld in Aktien anstatt es für Lotto (oder für mich in Süßigkeiten und Gedöns) auszugeben? Das wäre ja jetzt was!

Und ja, ich stecke auch noch voll im Hamsterrad und gehe jeden Tag zur Arbeit. Ich habe kein Lottoglück gehabt – aber manchmal fülle ich dann doch mal einen Schein aus – mit Opas Zahlen 😉 Mein „Taschengeld“ investiere ich jetzt natürlich – das hab ich ja nun doch begriffen…

Mit der Zeit an der Börse habe ich habe gemerkt: Es muss nicht der Jackpot sein. Mit ein bisschen Disziplin beim Sparen und dem Zinseszins baut man sich sein eigenes Polster auf. Am Ende ist es ein bisschen wie bei Opa: Es ist der Wunsch, dass Arbeit nicht alles sein muss (obwohl er dafür gelebt hat). Nur dass ich heute nicht mehr für ihn den Lottoschein abgebe, sondern meine Finanzen selbst ordne. Und ja, ich habe auch keinen Mercedes. Aber Aktien.

Und jetzt schau ich ganz oft nach oben und sage: Opa, die Aktien stehen gut.
Und sage Danke. 

Liebe Grüße
Sanne

2 Kommentare

  1. Teilzeithippie

    WoW,
    tolle Geschichte
    Dein Weg stimmt, weiter so, zieh durch und Du kommst Deiner finaziellen Freiheit immer näher .

    Beste Grüße

    Reply
    • bysanne

      Ich danke dir 😊

      Reply

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Sanne Urlaub

Bonjour, ich bin Sanne

Kaffeeverrückt, Montalivet-Liebhaberin und seit 2018 an der Börse. Wer ich bin und warum ich an der Börse mein Geld investiere, erfährst du auf der Über mich Seite.